Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) will für die Landwirtschaft das Einkommen im Umwelt- und Klimaschutz verbessern. Das teilt der Verband anlässlich des Deutschen Landschaftspflegetags 2026, der vom 23. Bis 25. Juni in Schauenburg bei Kassel staatfindet, mit und hat dort gezeigt, dass Wertschöpfung in artenreichen Landschaften sowohl durch traditionelle Bewirtschaftung als auch mit neuen Nutzungsformen erzielt werden kann. Vor allem die Politik müsse hierfür die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Der Auftakt der Tagung wurde deshalb von der Diskussion um die künftige EU-Agrarpolitik bestimmt. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Peter Strohschneider, Grußbotschaften kamen unter anderem von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Und es wurden die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Landschaftspflegepreises bekanntgegeben.
In ihrer Rede machte die DVL-Vorsitzende Maria Noichl (MdEP) deutlich, dass die Landschaftspflegeverbände (LPV) in Deutschland zusammen mit kooperierenden landwirtschaftlichen Betrieben auf allen politischen Ebenen dringend mehr Unterstützung benötigen, um anstehende Heraufforderungen im Natur- und Klimaschutz effizient anzupacken. „Wenn wir Betrieben für das Erbringen von Gemeinwohlleistungen, wie dem Schutz der Biodiversität, dem Gewässer- oder dem Bodenschutz keine wirtschaftlichen Perspektiven geben, werden sich Ökosysteme weiter rapide verschlechtern – mit massiven Folgekosten für die gesamte Gesellschaft.“ Noichl warnte im Hinblick auf die kommende Agrarreform vor massiven Rückschritten, die in den Regionen und in der Landwirtschaft selbst tiefe Spuren hinterlassen werden.
Prof. Dr. Peter Strohschneider erinnerte in seinem Festvortrag an die von allen einschlägigen Verbänden gemeinsam getragenen Vorschläge der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ und des „Strategischen Dialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft“. „Zentral ist diesen Vorschlägen zufolge die schrittweise und vollständige Umwandlung der flächenbezogenen Direktzahlungen in die Honorierung von Gemeinwohlleistungen“, resümierte Strohschneider.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen lobte in einer Grußbotschaft den DVL als Labor für Innovation. „In vielerlei Hinsicht verkörpert die Arbeit des DVL den Geist des europäischen Projekts: Eine gemeinsame Vision, gemeinsame Ziele, gemeinsame praktischen Zusammenarbeit vor Ort“. Darüber hinaus formulierte er die Ziele des GAP-Vorschlags der EU-Kommission: „Eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft, gesunde natürliche Ressourcen und lebendige ländliche Gemeinschaften. Wir sind entschlossen, die Akteure, die sich für diese Ziele einsetzen, auch weiterhin zu unterstützen“. Hansen schließt sein Grußwort mit der Botschaft: „Die EU-Kommission wird die Arbeit der Landschaftspflegeverbände weiterhin unterstützen und sich von deren Ideen inspirieren lassen.“
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer dankte in seiner Grußbotschaft den Landschaftspflegeverbänden für ihren täglichen Einsatz für die Natur. „Lösungen in der Kulturlandschaft entstehen mit Menschen die Flächen nutzen. Erfahrung, Verantwortung und Innovationskraft sind dort vorhanden“.
Der diesjährigen Deutsche Landschaftspflegetag steht unter dem Titel „Wert.voll.Landschaft“. Mit dem Motto will der DVL auf das landwirtschaftliche Potenzial hinweisen, welches nicht nur in der Bereitstellung von öffentlichen Gütern liegt. Auch der Bereich Bioökonomie kann für die Landschaften der Zukunft zentrale Bedeutung erlangen. Daher wurden beim Landschaftspflegetag die Preisträger des „Ideenwettbewerbs Bioökonomie 2025“ geehrt. Die stoffliche Verwertung von Grasschnitt aus der Landschaftspflege steht im Zentrum dieser Initiativen. Fachforen zur Zukunft der Weidetierhaltung und zu Möglichkeiten im Agroforst beleuchteten weitere Wertschöpfungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe.
Preisträgerinnen und Preisträger 2026
Drei Personen, zwei Projekte und eine Innovation wurden am Deutschen Landschaftspflegetag 2026 für ihre herausragenden Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung der Kulturlandschaften mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet. Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie, übergab mit DVL-Vorsitzender Maria Noichl die Preise am 23. Juni in Kassel in den Rubriken „Innovative Projekte“, „Engagierte Personen“ und ein „Undotierter Sonderpreis“.
Zu den Preisträger:innen teilt der DVL mit:
"Innovative Projekte"
Erster Preis: Mischbeweidung des Übergangsmoores „Hühnerfeld“
Das Übergangsmoor „Hühnerfeld“ im Süden Niedersachsens ist ein wertvoller Lebensraum, dessen artenreiche Pflanzengesellschaften nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung zunehmend durch Sukzession bedroht waren. Durch die innovative Mischbeweidung mit Islandpferden und Rindern gelang es, diese Entwicklung umzukehren. In enger Kooperation zweier landwirtschaftlicher Betriebe, des Landkreises Göttingen sowie zahlreicher weiterer Akteure wurde ein langfristiges Pflegekonzept etabliert, das naturschutzfachliche Anforderungen und landwirtschaftliche Praxis miteinander verbindet. Trotz schwieriger Ausgangsbedingungen – wie unwirtschaftlicher Nutzung und giftigen Pflanzenbeständen – entwickelte sich das Projekt zu einem erfolgreichen Beispiel kooperativer Landschaftspflege. Bereits wenige Jahre nach Wiederaufnahme der Beweidung gingen Dominanzbestände zurück und die Artenvielfalt nahm deutlich zu. Die kontinuierliche fachliche Begleitung, flexible Vertragsgestaltung und breite Einbindung regionaler Partner machen das Projekt zu einem vorbildlichen Modell für nachhaltige Landnutzung und erfolgreichen Moorschutz.
Zweiter Preis: Klimaresilienter Dialog-Acker
Mit dem Dialog-Acker in Gessin (Mecklenburg-Vorpommern) wurde auf 22 Hektar eines zuvor konventionell bewirtschafteten Ackers das bislang größte Agroforstprojekt des Bundeslandes geschaffen. Durch die Pflanzung von rund 700 Bäumen, 4.000 Heckenpflanzen sowie die Anlage von Nist- und Sitzmöglichkeiten für Tiere entstand ein strukturreicher, ökologisch bewirtschafteter Lern- und Demonstrationsstandort. Das Projekt verbindet landwirtschaftliche Praxis, Wissenschaft und gesellschaftlichen Dialog und zeigt beispielhaft, wie eine naturverträgliche und klimaresiliente Landnutzung umgesetzt werden kann. Bereits heute sind deutliche ökologische Erfolge sichtbar: Die Artenvielfalt nimmt zu, seltene Vogelarten kehren zurück und natürliche Prozesse wie Humusaufbau und Schädlingsregulation werden gestärkt. Durch ein begleitendes Monitoring unter Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie wissenschaftlichen Partnern entsteht praxisnahes Wissen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
"Engagierte Personen"
Erster Preis: Dr. Wolfgang Ehmke
Dr. Wolfgang Ehmke setzt sich seit Jahrzehnten mit außergewöhnlichem Engagement für den Erhalt der Kulturlandschaften im Rheingau-Taunus-Kreis ein. Der Agrarbiologe und Botaniker hat den LPV Rheingau-Taunus aus der Taufe gehoben, den er bis heute fachlich begleitet. Sein Wirken verbindet wissenschaftliche Expertise mit praktischer Naturschutzarbeit: Er war maßgeblich an der Entstehung des Feldflora-Reservates Schlangenbad-Hausen beteiligt, das seltene Ackerwildkräuter dauerhaft schützt, und unterstützte zahlreiche Projekte zur Wiederansiedlung gefährdeter Pflanzenarten sowie zur Entwicklung wertvoller Lebensräume. Mit der von ihm gegründeten Bürgerstiftung „Unser Land! Rheingau und Taunus“, dem Wolfgang-Ehmke-Preis für innovative Natur- und Klimaschutzprojekte sowie unzähligen Exkursionen und Veröffentlichungen sensibilisiert er die Öffentlichkeit für den Wert artenreicher Kulturlandschaften.
Zweiter Preis: Martin und Hubert Bartl
Familie Bartl aus Freising-Sünzhausen engagiert sich in enger Zusammenarbeit mit dem LPV Freising für die naturschutzfachlich wertvolle Bewirtschaftung sensibler Flächen. Durch den gezielten Einsatz gefährdeter Nutztierrassen wie Bergschafen, Murnau-Werdenfelser Rindern oder Pinzgauern entwickelt und realisiert sie standortangepasste Beweidungskonzepte, die den Erhalt artenreicher Offenlandlebensräume sichern. Darüber hinaus bringt sich die Familie aktiv in den Artenschutz ein, etwa durch Maßnahmen zum Schutz von Wiesenbrütern und eine angepasste Bewirtschaftung. Mit ihrem fachlichen Engagement verbindet sie Landwirtschaft und Naturschutz auf vorbildliche Weise und trägt dazu bei, nachhaltige Landnutzung in der Region langfristig zu etablieren und sichtbar zu machen.
"Undotierter Sonderpreis"
Fischer Maschinenbau und ihre Produktinnovation „EcoCut“
Mit dem EcoCut wurde eine innovative, praxistaugliche Technik zur deutlich insektenschonenderen Grünlandmahd entwickelt. Die von der Firma Fischer Maschinenbau konzipierte pneumatische „Insektenscheuche“ wird vor dem Mähwerk angebracht und verdrängt Insekten bereits vor dem Schnitt aus dem Gefahrenbereich. Studien zeigen, dass sich die Mortalität von Insekten bei der Mahd dadurch erheblich reduzieren lässt. Die Technik ist einfach nachrüstbar, mit gängigen Mähgeräten kombinierbar und sowohl im landwirtschaftlichen als auch im kommunalen Bereich einsetzbar – etwa im Grünland, auf Streuobstwiesen oder im Straßenbegleitgrün. Durch die breite Anwendbarkeit trägt EcoCut dazu bei, die Artenvielfalt und Biomasse von Insekten nachhaltig zu erhalten und zugleich eine wirtschaftliche und effiziente Flächenpflege sicherzustellen. Als niedrigschwellige Innovation mit großer Wirkung setzt das Produkt ein wichtiges Signal für eine biodiversitätsschonende Landbewirtschaftung.
