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03.12.2008 13:54 Alter: 14 yrs
Kategorie: IG Nachbau Bauernstimme
Von: Unabhängige Bauernstimme 11/08

Was wächst aus welchem Geld?

IGN-Tagung zu Möglichkeiten der Finanzierung von Pflanzenzüchtung


Die Züchtung neuer Pflanzensorten für die Landwirtschaft ist ein langwieriges und vor allen Dingen ein teures Geschäft. Von tausenden bis hin zu Millionen von Euro kann man pro Sorte anlegen, je nachdem, welche Züchtungsverfahren man anwendet, welchen verwaltungstechnischen Apparat man noch mit unterhalten muss und wie genau man die Rechnung aufmacht. Bislang finanzieren die Pflanzenzüchter eine Sorte vor und holen sich das eingesetzte Kapital über Lizenzen für Z-Saatgut und eben auch über Nachbaugebühren von den Bäuerinnen und Bauern zurück. Oder vielmehr: sie wollen es sich gerne auch über Nachbaugebühren zurückholen. Denn genau darum entzündete sich vor nunmehr rund zehn Jahren der bekannte Konflikt. Dass er sich eigentlich auf zwei Ebenen abspielt, wurde einmal mehr deutlich auf der von der Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugebühren und Nachbaugesetze (IGN) und der AbL veranstalteten Tagung zu Bauernrechten und geistigem Eigentum in Berlin. Auf der einen Seite hat es von Anfang an die Bauern und Bäuerinnen erbost, wie der Bundesverband deutscher Pflanzenzüchter (BDP) und seine Vollzugsorganisation, die Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) mit ihnen umgehen wollte. Nicht ohne Grund drehten sich viele der im Konflikt angezettelten Gerichtsverfahren um Auskunftspflicht und Ausforschung, um Kontrolle und Bespitzelung. Diese weitestgehend im Sinne der Bauern und Bäuerinnen entschiedene Auseinandersetzung hat viel Porzellan zerschlagen und macht es schwierig, die Beteiligten an einen Tisch zu holen, um das eigentliche Konfliktfeld, die Nachbaugebühr oder - vielleicht schon fortschrittlich nach vorne formuliert - eine andere Form der Finanzierung von Pflanzenzüchtung zu bearbeiten. Dies gelang – zumindest konnte ein Anfang gemacht werden – auf der Tagung in Berlin.  

Neu Ideen

Mit Karl-Josef Müller saß dort auf dem Podium zwar ein biologisch-dynamisch arbeitender Pflanzenzüchter, der durch diese Sonderstellung nicht in das klassische Züchterbild der Bäuerinnen und Bauern passt. Er konnte aber – genau ob dieser besonderen Position – auch ganz neue Gedanken spinnen. Er machte die ganze Bandbreite dessen, was an Finanzierung von Pflanzenzüchtung auch möglich sein könnte, deutlich. Es fängt damit an, Pflanzenzüchtung auch als gesellschaftspolitische Aufgabe zu begreifen ist und man sich viel stärker damit auseinandersetzen sollte, was gesellschaftlich gewollt und gefördert werden sollte. Und auch die Frage, ob Pflanzenzüchtung das leistet, was die Bäuerinnen und Bauern wollen und brauchen lässt sich nicht (mehr) eindeutig beantworten. Somit hat eine viel direktere Finanzierung – ob als Vorausleistung oder als Refinanzierung im bisherigen Stil – Charme. Ob als Fonds, als Leistung durch Erzeugergemeinschaften oder dem individualisierten „Jeder fördert das was ihm wichtig ist und damit sieht man auch was vielen wichtig ist“ - denkbar und diskutierbar ist vieles. Umso interessanter war es denn auch, dass mit Holger Junghans auch ein Züchter eines „klassischen“ Unternehmens, Kartoffelzucht Norika, mit auf dem Podium saß. Er machte deutlich, dass nicht alle Pflanzenzüchter gleich denken und die im BDP Ton angebenden nicht unbedingt für alle sprechen. Junghans signalisierte Gesprächsbereitschaft und tat damit mehr als der BDP während der vergangenen  10 Jahre.