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05.04.2013
Unabhängige Bauernstimme 3/13

Gut, dass Du da warst!

Urgestein Adi Lambke hinterlässt Spuren

Am Rande des Gottesackers stehen die Trecker, sie sind mit ihren Fahrern und Fahrerinnen von der bäuerlichen Notgemeinschaft Lüchow Dannenberg das letzten Geleit für einen der herausragenden Menschen des bäuerlichen Widerstandes. Adi Lambke, „der Mann auf dem Trecker“, wie die tageszeitung titelte, ist mit 82 Jahren gestorben. Wie kein anderer hat er dem bäuerlichen Widerstand gegen Atomkraft ein Gesicht gegeben, als die Bilder von ihm - mit blutender Kopfverletzung in der Kabine seines Fendt von nicht zimperlichen Polizisten daran gehindert, den Trecker zwischen Sitzblockierer und Wasserwerfer zu manövrieren - Anfang der 90er Jahre durch die Medien ging. Zwei Dinge machten diese Bilder deutlich: zum einen, dass der Staat bereit ist hier zu radikalen Mitteln zu greifen um seine Interessen durchzusetzen und zweitens, dass hier keine Berufdemonstranten, Chaoten, Widerstand leisten, sondern der Bauer von nebenan. Adi hat das Saatbett mit bereitet, in dem Jahre später die gesellschaftliche Stimmung für einen Atomausstieg keimen konnte.

Pioniere

Auch in der Auseinandersetzung um die Nachbaugebühren hat er das Feld beackert, hat mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit immer wieder auf den Verlust eines bäuerlichen Grundrechts hingewiesen, den man nicht hinnehmen könne. In der Bauernstimme stand mal: „ Am Anfang erntete er viel Kopfschütteln und Augenrollen, auch sich agrarpolitisch für versiert haltende Menschen sahen kaum Handlungsmöglichkeiten, da die Verordnungen und Gesetze dazu lang beschlossen waren und der Bauernverband stillschweigend mitgemacht hatte. Adis Argumentationsketten sind oft abenteuerlich, seine Manuskripte nicht für jeden verständlich. Er bringt nicht auf den Punkt, er bringt auf den Tisch.“ Der Text hat ihn damals - zumindest kurz - ziemlich geärgert, man hätte zum Erfolg vor dem EUGH auch eine andere Würdigung der treibenden Kraft erwarten können, aber er hat uns verziehen. Denn der Mensch Adi Lambke, war ein warm- und offenherziger, der mit seiner Frau Elli der Bauernstimme Hof und Scheune öffnete für eine wunderbare Jubiläumsfeier zum 30. Zeitungsgeburtstag. Schließlich waren die sich gegenseitig tragenden beiden Lambkes nicht nur gegen irgendwas, sondern als Neulandzuchtbetrieb Pioniere für eine artgerechte Schweinehaltung, schon als das Thema noch nicht so gesellschaftlich en vogue war.

Keine ruhige Wetterlage

Wahrscheinlich hätte Adi es gut gefunden, dass bei seinem Beerdigungskaffee in der Jamelner Dorfkneipe der Saal, passend für die dort zur Zeit stattfindenden Karnevalsfeiern mit bunten Luftballons und Glittergirlanden geschmückt war, wahrscheinlich hätte er auch die Wetterkapriolen – Gewitter, Schneeschauer und dann fegt der Wind die Wolken weg und die Sonne lugt hervor – gut gefunden. Adi hatte Humor und er war keine ruhige Wetterlage. Ganz sicher in seinem Sinne waren zwischen den vielen Menschen auf dem Friedhof die Trecker, mit seinen eigenen hat er gern Symbolik betrieben und auch gern blockiert. Zum Schluss hat er sich nicht mehr quer gestellt und konnte in Ruhe gehen. Wenn er sich früher von einem verabschiedete rief er: „Bleib so, wie ich hätte werden sollen“, antworten kann man nun nur noch: „Adi, gut das Du warst wie Du warst.“