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30.07.2017
Unabhängige Bauernstimme 5/17

Raps von jenseits des Kanals

IGN-Bauern bauen Liniensorte aus England an

Vor zwei Jahren standen sie in England auf einem Rapsacker und diskutierten mit dem einzigen unabhängigen britischen Rapszüchter Mike Pickford. Jetzt blüht schon zum zweiten Mal seine Rapssorte „Advance“ auf Äcker von Mitgliedern der Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugebühren und Nachbaugesetze (IGN). Auf dem Jahrestreffen der europäischen Aufbereiterorganisationen, die sich ebenfalls gegen Nachbaugebühren wehren, seien sie damals ins Gespräch gekommen, erinnert sich Franz-Josef Dohle, Ackerbauer und Milchviehhalter aus dem Sauerland. „Er sagte uns damals, wir könnten „Advance“ ohne Nachbaugebühren nutzen.“ Pickford habe eine Interesse daran gehabt, seine Sorte, die er ohne eine großen Firmenapperat dahinter gezüchtet hatte in den Markt zu bringen, ergänzt der rheinische Ackerbauer Gerhard Portz, der damals auch dabei war. Außerdem habe der Züchter betont, dass seine Kosten sich eben sehr wohl auch durch die einmaligen Lizenzgebühren beim Verkauf von Saatgut abgelten ließen. Hier spiele seine Eigenständigkeit eine Rolle, die ihn eine Sorte günstiger entwickeln lassen könne, als große Züchterfirmen. Auch das Pickford mit Advance bewußt eine Liniensorte und keine Hybride zur Verfügung stellte, ließ Bauern und Züchter sich auf einer Wellenlänge wiederfinden. „Auf dem Markt gibt es ansonsten fast nur noch Hybriden“, so Dohle, dabei brauche es für Hybriden doch auch gute Liniensorten, warum gebe es also nicht auch davon neue auf dem Markt, fragt er rethorisch. Das Züchter durch Hybriden dem leidigen Thema Nachbaugebühren elegant aus dem Weg gehen können, wird sicher inzwischen nicht mehr nur eine Nebenrolle in Züchtungsentscheidungen spielen.

Gute Ergebnisse

Dohle und Portz entschieden sich dafür Advance auszuprobieren. Am schwierigsten gestalteten sich noch logistische Fragen, die so fürchtet Portz in Zukunft durch den Brexit nicht einfacher werden. Interesse bei den Bauern und Bäuerinnen in ihrer Umgebung sei mehr dagewesen, als sie Saatgut bekommen konnten, auch im vergangenen Herbst gingen Interessenten leer aus. Bei Dohle wächst dies Jahr erstmals nachgebauter wie auch neu gekaufter Raps der Sorte. Er ist gespannt, ob es Unterschiede gibt. Mit den Ergebnissen des ersten Jahres sind die beiden Bauern sehr zufrieden. Obwohl es ein nasses und damit schlechtes Rapsjahr gewesen sein, sagt Portz er habe ohne viel Aufwand über 30 Doppelzentner geerntet, Dohle über 50 Doppelzentner. Auch der Ölgehalt stehe etablierten Sorten in nichts nach. Befürchtungen hatte Dohle in der Frage der Winterhärte, da es in der Züchterregion in Südengland mildere Winter gebe als zumindest im Sauerland. Ein echter Belastungstest waren da die zwei zurückliegenden Winter noch nicht, diese hatte der Raps allerdings sehr gut gemeistert. Advance ist einen frühe Sorte, die damit Erntespitzen entzerren hilft. Alles in allem sind die IG Nachbaubauern zufrieden mit den ackerbaulichen Erfahrungen und freuen sich darüber eine unabhängigen Züchter unterstützen und gleichwohl frei nachbauen zu können. Er braucht allerdings langfristig den Aufbau einer besseren Beschaffungs- und Vermarktungslosgistik für das Saatgut, darin sind sich beide einig.