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04.06.2011
Unabhängige Bauernstimme 5/11

Freies Saatgut für alle!

Saatgut-Aktionstage in Brüssel – Vielfalt statt Gentechnik

Am 17. April wurde in Brüssel die erste Europäische Saatguttauschbörse abgehalten: Über 30 Saatgutinitiativen aus zehn europäischen Ländern boten Saatgut von alten bäuerlichen Sorten zum Tausch an. Damit knüpfen sie an eine landwirtschaftliche Tradition an, die in der industrialisierten Landwirtschaft weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Anlass für die Saatguttauschbörse ist der weltweite Aktionstag der internationalen Kleinbauern-Bewegung La Via Campesina am 17. April. Da die Freiheit, Saatgut zu erzeugen, zu vermehren, zu tauschen und selbst zu züchten eine Grundlage für die Ernährungssouveränität ist, passt das Thema Saatgut in das Konzept dieses Tages. Denn diese Freiheiten sind nicht selbstverständlich: Durch Sortenschutz (UPOV und ihre Umsetzung auf EU Ebene) und die Europäischen Saatgutverkehrsgesetze sind die Rechte auf Verwendung vieler alter und neuer Sorten stark eingeschränkt, obwohl die EU zugleich internationale Abkommen zum Erhalt der genetischen Ressourcen und der biologischen Vielfalt unterzeichnet hat. In einem „Anti-Lobby-Spaziergang“ am 18. April wurde bunt und musikalisch sowie mit Theatereinlagen vor den Büros verschiedener Chemie- und Saatgutunternehmen sowie der Kommission demonstriert. Es wurde gefordert, dass die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern, die erhalten, züchten und vermehren, der kleinen Züchterinnen und Züchter sowie der Saatgutinitiativen nicht mehr in gesetzliche Grauzonen gedrängt, sondern gemäß ihres gesellschaftlichen Nutzens endlich anerkannt wird. Vor dem Lobby-Büro von Bayer wurde drei Abgeordneten des EU-Parlaments, darunter Vizepräsidentin Isabelle Durant, eine Petition mit über 58.000 Unterschriften übergeben, die das Recht auf freien Nachbau, die Unterstützung regionaler Saatgutarbeit und ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft fordert. Wie wichtig gentechnikfreies Saatgut ist, wurde bildlich anhand des Beispiels Mangold demonstriert: Wenn in einem Zuckerrübenfeld durch Saatgutkontamination nur wenige Pflanzen gentechnisch verändert sind, kann durch Auskreuzungen die benachbarte Gemüsegärtnerin diese Transgene im Folgejahr in ihrem Mangoldsaatgut wiederfinden und müsste damit das mühsam erzeugte Saatgut vernichten. Die EU ist dabei, die Saatgutverkehrsgesetze zu überarbeiten – wie die neuen Gesetze, die ca. 2015 in Kraft treten könnten, aussehen, ist unter anderem davon abhängig, wieviel gesellschaftlicher Druck jetzt aufgebaut werden kann, im Sinne von: Zukunft säen – Vielfalt ernten!