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12.10.2019
Unabhängige Bauernstimme 10/19

Wer züchtet Futtergräser für den Klimawandel?

Futtergräser-Züchtung der Deutschen Saatveredelung (DSV)

Die verschiedenen Futtergräser-Arten wie Deutsches Weidelgras, Wiesenschwingel, Wiesenrispe, Lieschgras und Knaulgras sowie Klee-Arten sind äußerlich nicht leicht zu unterscheiden. Das gilt erst recht für ihre vielen Sorten, sodass die Züchter gute Augen brauchen. Die AbL NRW organisierte eine Besichtigung der Futtergräser-Züchtung der Deutschen Saatveredelung (DSV) in Ven-Zelderheide in den Niederlanden am 21.8.19. Die Produktmanager der DSV, Willi Pütter und Luuk Maas, gaben Einblicke in die Züchtung diskutierten über Anbaustrategien beim Klimawandel.

Züchter

Futtergräser nehmen nur 3 % des europäischen Saatgutmarktes ein. Ein großer Teil der Futtergräser-Sorten wird von großen internationalen Konzernen gezüchtet. Der aus Dänemark stammende Marktführer DLF hat weltweit einen Marktanteil von 25 % und in Europa von 25 %. In der „Sortenliste Futtergräser, Esparsette, Klee, Luzerne“ des Bundessortenamtes in Deutschland wurden 86 % der Sorten von sieben Firmen angemeldet. Dabei stammen 18 % der Sorten von DLF und 24 % von DSV. Weitere Züchter aus Deutschland sind die Saatzucht Steinach und die Norddeutsche Pflanzenzucht, die in Kooperation mit DSV züchtet. Feldsaaten Freudenberger hat ein umfassendes Sortiment an Futtergräsern, aber züchtet nicht selbst, sondern vertreibt Sorten von anderen Züchtern. Auch die Konzerne Barenbrug aus den Niederlanden und RAGT aus Frankreich züchten Futtergräser.

DSV

Bei der DSV werden nicht nur Futtergräser, sondern auch Zwischenfrüchte, Raps und Getreide gezüchtet mit weltweit 1000 angemeldeten Sorten. Mehr als ein Drittel des Saatgutes wird exportiert und es gibt Tochterunternehmen in Frankreich, England, Polen, Niederlande, Dänemark, Ukraine und Argentinien. Der Konzern hat 600 Mitarbeiter und 2017/18 betrug der Jahresumsatz 173,6 Mio €. Mehr als 1500 Vertrags-Landwirte vermehren Saatgut für die DSV.

Wie züchten?

Die Züchtung der DSV findet an etwa 40 Standorten in Deutschland, Europa und Nordamerika statt. Bei der Gräserzüchtung muss am Anfang interessantes Zuchtmaterial vermehrt werden. Dann wird jeder Zuchtstamm auf mehreren 5 m2 großen Parzellen analysiert und es werden Kreuzungen durchgeführt. Wenn bei uns Winter ist, ist in Chile und Argentinien Sommer, sodass dort auch Gräser angebaut und getestet werden, um Zeit zu sparen. Zur Schaffung kontrollierter Bedingungen wird nur mit Kunstdünger gedüngt. Bei den Zuchtstämmen werden unterschiedliche Eigenschaften getestet wie der Ertrag, wobei im ersten Jahr keine und im 2. Jahr 4 - 6 Schnitte stattfinden. Der Futterwert wird im Labor bestimmt. In Frankreich sind Gräser durch Rost gefährdet, sodass dort die Krankheitsresistenz untersucht wird. Um konkurrenzfähiges Weidelgras zu finden, wird es im Gemisch mit Rotschwingel angebaut.

Mehr Regenwürmer

Die DSV bietet auch Grünlandmischungen mit einer größeren Artenvielfalt an. Herr Maas berichtete, dass dadurch auch ein vielfältigeres Bodenleben entstehe und die Zahl der Regenwürmer zunehme. Der Nachteil sei, dass widerstandsfähige Arten schlechter verdaulich seien und viele Kräuter und Leguminosen nicht so viele Schnitte vertragen würden.

Gräserwandel?

In Zeiten des Klimawandels mit Wetterextremen und trockenen Jahren habe nach Ansicht von Herrn Pütter die Grünlandpflege einen größeren Einfluss als die Auswahl der Arten. Das wichtigste sei wertvolle Arten zu behalten und unerwünschte Unkräuter wie Quecke und Gemeine Rispe herauszustriegeln; Ampfer auszustechen und Lücken sofort durch Nachsaat zu schließen. Zwar vertrockne Deutsches Weidelgras bei Trockenheit sehr schnell, aber regeneriere sich bei Regen auch wieder, sodass er es immer noch als leistungsfähigstes Gras bewertet. Im letzten trockenen Jahr waren die mit langen Wurzeln ausgestatteten Arten Spitzwegerich, Futter-Chicorée und Rotklee noch lange grün. Für das Einmischen von trockentoleranteren Gräsern könnte er sich aktuell Knaulgras vorstellen, auch wenn es weniger schmackhaft sei, aber Rohrschwingel oder Trespen aus Kasachstan seien für ihn etwas in vielleicht 20 Jahren.