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06.09.2019
Unabhängige Bauernstimme 6/19

IGN europäisch in England

Der Brexit beeinflusst auch die Saatgutfrage

Wieder einmal einmal trafen sich Bauern und Bäuerinnen aus der Interessengemeinschaft gegen Nachbaugebühren und Nachbaugesesetze mit europäischen Kollegen und Saatgutaufbereitern des europäischen Aufbereiterverbandes Emsa. Diesmal folgten sie der Einladung zur Emsa-Generalversammlung nach Gloucestershire in die Nähe von Bristol in Großbritannien. Es ist eine Reise bei herrlichem Sommerwetter in eine der schönsten Landschaften Englands. Alte Kalksteinhäuser umsäumt von kilometerlangen Kalksteinmauern, viele Bäume in hügeliger Landschaft. Dazwischen saftiges Grün, viele Hecken- eine Postkartenlandschaft! Und: einfach schön, dass es möglich ist ohne Visum und ohne Passkontrolle zu reisen. Unser Hotel, erbaut 1601 im typischen alt-englischen Stil, in einer Zeit als Schafswolle Geld kostete und die Großbauern reich waren. Als England um die Welt herum segelte und Kolonien weltweit eroberte und viel Reichtum erbeutete. Heute sieht die Lage etwas anders aus. Seit zwei Jahren fühlen sich viele Menschen von der Politik unverstanden und fallen gelassen. Vielleicht auch untergegangen in der schnellen Entwicklung der Weltwirtschaft der EU. Die Preise für die Güter des täglichen Bedarfs steigen, doch die Löhne der kleinen Leute liegen bei 7-9€/ Std (6-7Pfund/h). Man fühlt sich als Inselnation verkauft durch die EU, weil die Fischfangquote von allen Staaten genutzt werden. Aber: 80% der landwirtschaftlichen Höfe wären ohne EU Subventionen in großen Schwierigkeiten. Ich habe Menschen auf der Straße gefragt wie sie zum Brexit stehen. Die Antworten waren ähnlich denen der Populisten wie sie auch in Deutschland zuhören sind. Aber es gab auch nachdenkliche Antworten. Eine davon: Wie sollen wir hier an eine Zukunft in Europa glauben, wenn die beiden großen politischen Parteien von Theresa May und Jeremy Corbyn (Konservative und Labour) nach fünf Monaten noch immer keine gemeinsame Lösung gefunden haben und es den Anschein hat, dass dies bis Ende Oktober auch nicht passiert? Bei einem Austritt ohne Abkommen könnte England zum Spielball der USA werden. Es gibt die Sorge, dass GMO Hybriden dann den Saatgutmarkt beherrschen und Bauern kaum noch über unahhängiges Saatgut verfügen. Man klagt Ex-Premier David Cameron an, er hat den Brexit durch eine Abstimmung der Bevölkerung hervorgerufen, ohne die Menschen zuvor über die Vor- und Nachteile aufzuklären. Politiker – auch in Brüssel seien zu abgehoben und ließen dem kleinen Mann kaum Chancen. Europa könne nur die Zukunft sein, wenn man nich das Gefühl habe vermarktet zu werden sondern auch etwas langsamer leben könne, menschlicher, verantwortlich. Das ist gerade auch beim Saatgut wichtig. Alle Mitgliedsländer müssten sich einig sein, dass es in Zukunft nur gemeinsam gehen kann. So wie unsere Kollegen in der Emsa und wir weiter auf europäischer Ebene zusammenarbeiten werden. Die IGN mit knapp 1000 Bauern ist, das wurde wieder deutlich, ein Partner, der in Brüssel bei Verhandlungen nicht außer Acht gelassen werden kann. Über die Jahre wurde mehr und mehr erkannt, dass unserer Arbeit der Erhalt des Saatguts und des Nachbaus eine wichtige Errungenschaft ist.

Beizen

Ein weiteres Thema der Emsa-Generalversammlung war die Saatgutbehandlung. Hier wird beklagt, dass die chemische Beizen alle aus China und Indien kommen. Egal ob von Bayer, BASF, Syngenta oder sonstigen Anbietern. Produkte werden billig gekauft und teuer vermarktet. Man sollte den Markt aufbrechen. Andere Alternativen sind alte neue Verfahren wie die Warmwasserbeizung (Roeber HySeed Bio) eines deutschen Anbieters. Oder elektrischen Beizung (Evonta e3) ohne Chemie welche ebenso von einem deutschen Anbieter angeboten wird. Auch um die sinkenden landwirtschaftlichen Gewinne durch sinkende Preise auf Kosten bäuerlicher Betriebe ging es in Gloucestershire. Berichtet wurde von hohen Selbstmordraten von Bauern in Frankreich welche finanziell am Ende sind. Bauern müssen wieder lernen, nicht unter Preis zu produzieren. Wenn Bauern die Natur schützen kostet das Geld und das muss sich in der Wertigkeit unserer Produkte wiederspiegeln.

Auskunft

In Dänemark wurden jetzt alle Bauern von den Pflanzenzüchtern angeschrieben und aufgefordert, Auskunft über ihre Betriebsflächen sowie die Kulturen zu geben - ohne jegliche Qualifizierung der Anfrage. Hier versuchen wir, die IGN, durch die von uns erstrittenen Urteile vor dem EuGH Licht ins Dunkel zu bringen. Wir werden weiter kämpfen für unsere Rechte und den Großen die Stirn zeigen. Gemeinsam sind wir stark! Dazu sind Gespräche mit unseren europäischen Kollegen aus den Nachbarländern wichtig, um zu verstehen, dass viele Sorgen die uns betreffen alle betreffen.

Gerhard Portz, IGN-Sprecher