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16.05.2019
Unabhängige Bauernstimme 1/19

Saatgutmarkt von wenigen Konzernen beherrscht?

OECD-Bericht zeigt Strukturen auf

Gegen die vielen Fusionen auf dem Saatgutmarkt – in den letzten Jahren Bayer mit Monsanto, ChemChina mit Syngenta und Dow mit DuPont – wird stark protestiert, da weniger Wettbewerb, höhere Abhängigkeiten, eine geringere Produktauswahl und höhere Preise befürchtet werden. Aber wie stark ist die Konzentration auf dem Saatgutmarkt in verschiedenen Bereichen wirklich, also inwiefern dominieren wenige, große Konzerne? Mit vielen Daten und Studien analysiert der 2018 erschienene Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) „Concentration in seed markets – potential effects and policy responses“ diese Frage. Nicht vergessen werden darf, dass der Großteil des Saatgutes weltweit von BäuerInnen und GärtnerInnen selbst nachgebaut und nicht auf dem kommerziellen Saatgutmarkt gekauft wird, insbesondere in Asien sowie Afrika und dem Mittleren Osten, wo bezogen auf den Geldwert etwa 60 % nachgebautes Saatgut verwendet wird. Weniger eigener Nachbau findet in Nordamerika (~ 8 %), Europa (~ 25 %) und Lateinamerika (~ 30 %) statt.

Mais, Mais, Mais

Auf der anderen Seite wird weltweit kommerzielles Saatgut aus privater und öffentlicher Züchtung für geschätzt rund 52 Mrd. US-Dollar (2014) gehandelt. In den letzten Jahren wuchs der Saatgutmarkt gerade bei gentechnisch verändertem, aber auch bei konventionellem Saatgut stark an. Ein riesiger Anteil des Saatgutumsatzes wird mit Mais gemacht (40 %) und viel Geld wird auch mit Saatgut von Sojabohnen (14 %), Reis (10 %), Gemüse (9 %), Getreide (8 %) und Baumwolle (4 %) eingenommen (Zahlen von 2014). Nach Daten der OECD (2017) beherrschen die sechs größten multinationalen Saatgutkonzerne mit rund 27 Mrd. US-Dollar Umsatz 52 % des Saatgutmarktes: Bayer-Monsanto, DowDuPont, ChemChina-Syngenta, Vilmorin, BASF und KWS.

Abhängig von Nutzpflanze und Land

Wie groß der Marktanteil von einzelnen Unternehmen am gesamten Saatgutumsatz (inklusive Nachbau) ist, variiert je nach Nutzpflanze und Land. Baumwolle ist die Kultur mit der höchsten Konzentration auf dem Saatgutmarkt, insbesondere in Mexiko und Brasilien, wo das gesamte Baumwollsaatgut nur von vier Konzernen stammt. Die Marktmacht ist mittelmäßig stark bei Soja, Sonnenblume, Zuckerrübe und Mais. Bei Mais haben beispielsweise die vier größten Konzerne in Deutschland einen Marktanteil von 66 % und in Dänemark sogar von 98 %. Die geringste Konzernmacht gibt es bei Raps, Kartoffeln, Weizen und Gerste. Der hohe Anteil an Nachbau bei diesen Kulturen trägt sicherlich dazu bei, dass in Deutschland die vier größten Firmen von Weizen- und Gerstensaatgut nur einen Marktanteil von 44 % besitzen (2016).

Geld mit Gentechnik

Gentechnisch verändertes Saatgut bringt wenigen riesigen Saatgutkonzernen sehr viel Geld ein. Weltweit wurden 41 % des Saatgutumsatzes mit gentechnisch verändertem Saatgut gemacht (21 Mrd. US-Dollar, 2001-2014). Es geht vor allem um Gentechnik-Saatgut von Soja, Mais, Baumwolle und Raps, und die Hauptanbauländer sind die USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Nur die größten Konzerne können im Gentechnikbereich mitspielen, da die Kosten für Forschung, Biotechnologie, Patente und die Zulassung von Gentechnikpflanzen sehr hoch sind.

Warum Fusionen?

Warum fusionieren so viele Saatgutkonzerne und was sind die Konsequenzen? Wenn konkurrierende Unternehmen fusionieren (horizontale Fusion), sollen vor allem die relativ hohen Kosten für Forschung und Entwicklung reduziert werden. Kritisiert wird, dass dies zu geringerer Produktauswahl führen kann. Die meisten großen Saatgutkonzerne sind auch in der Chemieindustrie aktiv. Heute fusionieren diese zusätzlich noch mit Firmen im Bereich Digitalisierung und Landmaschinen (vertikale Fusionen), sodass sie aufeinander abgestimmte Produkte von Saatgut, Dünger, Pestiziden und Landmaschinen aus einer Hand anbieten können. Laut Bericht könnten dadurch die Geschäftsbereiche besser verbunden werden und effiziente Produkte entstehen, jedoch birgt dies auch die Gefahr von Abhängigkeiten und dass der Zugang zu Märkten und Ressourcen für andere Anbieter blockiert werden könnte. Eine weitere Einschränkung des Wettbewerbs geschieht, da große, multinationale Firmen auf vielen Märkten miteinander konkurrieren, sodass sie dazu tendieren, sich nicht stark anzugreifen. Einige Studien zeigen einen Anstieg von Saatgutpreisen durch Marktkonzentrationen, während andere keinen negativen Einfluss nachweisen.

Maßnahmen

Laut OECD-Bericht schränken Wettbewerbsbehörden erfolgreich zu große Marktmacht ein. Beispielsweise wurde Bayer für die Fusion mit Monsanto u. a. gezwungen, fast sein gesamtes Saatgutgeschäft an BASF zu verkaufen. Der Initiative „Konzernmacht begrenzen“, die von der AbL und weiteren 27 Organisationen getragen wird, ist dies aber noch zu wenig, sie fordert, dass bereits ab einem Marktanteil von 20 % statt 40 % Kartellbehörden eingreifen müssten. Aus Sicht der OECD muss außerdem zur Sicherung des Wettbewerbs der Zugang zu geistigem Eigentum und pflanzengenetischen Ressourcen sichergestellt werden.